Ich fahre Fahrrad

10014510_633789353370676_3271855978781441467_oSeit einer Woche bin ich offizielles Mitglied beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub in Hamm. Fahrrad und Rollstuhl? Da fragt man sich, ob das überhaupt zusammen passt. Und wieso trete ich in einen Verein ein, obwohl ich auf einem ganz normalen Fahrrad nicht fahren kann. Das ist schon richtig, aber da gibt es eine coole Lösung. Ich muss gar nicht auf ein Fahrrad steigen und kann dennoch Fahrradfahren. Aber auf einer anderen Art und Weise. Die Lösung nennt sich Speedy-Bike. Das schließe ich vorne an meinen Rollstuhl an und kann mich dann, mit der Muskelkraft meiner Arme, fortbewegen. Das ist eine schöne und praktische Sache. Ich warte nur noch auf gutes Wetter und dann kann ich endlich an einigen Radtouren des ADFC Kv. Hamm teilnehmen. Einige Ziele habe ich bereits auch vor mir.. Ich möchte gerne einen Teil der Römer-Lippe-Route und der Panorama-Route der Stadt Hamm befahren. Vielleicht sieht man sich ja bei guten Wetter auf der einen oder anderen Strecke.

Foto: Paul Scharapow

Meine erste Blutspende

20140411_191731Heute vor genau einer Woche  habe ich den Impuls bekommen, Blutspenden zu gehen. Also machte ich mich am Freitag, den 11. April 2014  auf den Weg zum Blutspendedienst Haema in der City-Galerie. Als ich dort ankam, erlebte ich eine Überraschung, denn die Tür zum Aufzug war verschlossen. Ich rechnete damit, dass alles barrierefrei sei. Ich habe mich deshalb natürlich nicht davon abbringen lassen, Blut zu spenden, sondern ich habe mein Handy gezuckt und beim Blutspendedienst angerufen.
Als ich dort angerufen hatte, kam plötzlich die Frage, wieso ich einen Aufzug brauche. Ich erklärte dem jungen Mann , dass dies wegen einer spastischen Lähmung so wäre. Ich wurde weitergeleitet zu einem Arzt, dessen Namen ich mir selbstverständlich gemerkt habe. Dem Herrn Moser erklärte ich auch noch einmal, warum ich im Rollstuhl sitze. Von ihm kam aber nur die Aussage:,,Da sie im Rollstuhl sitzen, ist ihr Blut nicht gut“. Von bisherigen Untersuchungen wusste ich, dass mein Blut einwandfrei ist. Ich habe anschließend um ein Gespräch mit seinem Vorgesetzten gebeten –  die Bitte wurde aber nicht befriedigt. Am Montag habe ich dann in der Haema-Zentrale in Leipzig angerufen und mich offiziell beschwert. Nach einigen Stunden rief mich dann der Vorgesetzte von Herrn Moser zurück und meinte: „Sie können kein Blutspenden, da dies für ihren Kreislauf nicht gut ist.“ Diese Diagnose wurde mir einfach so mitgeteilt, ohne das ich von einem Arzt untersucht wurde. Da frage ich mich, ob die Medizin mittlerweile so weit ist, dass mein Gesundheitszustand am Telefon analysiert werden kann. Am besagten Freitag bin ich dann zum Spendemobil des DRK gefahren. Dort wurde ich herzlich aufgenommen. Wir haben es geschafft, mich dort hoch zu befördern, obwohl das Mobil nicht barrierefrei ist. Im Blutspendemobil habe ich erfolgreich 528 Gramm Blut gespendet. Meinem Kreislauf ging es bis heute übrigens mehr als gut und ich hatte keinerlei Probleme.                             Foto: Scharapow

Bahnhof Heessen bald endlich barrierefrei?

justus-moor-bahnhof-heessen-infostand

Bereits seit einigen Jahren gibt es Pläne für einen barrierefreien Ausbau des Heessener Bahnhofs. Die Heessener SPD legt jetzt noch eine Schippe drauf und plant einen Durchbruch unter den Gleisen und einen zweiten Ausgang auf der anderen Seite, zum Landwehrwinkel hin. Damit lenkt die SPD erneut das Augenmerk auf den, längst überfälligen, barrierefreien Ausbau des Heessener Bahnhofs.
Aus der eigenen Erfahrung heraus können wir bedauerlicherweise bestätigen, dass noch längst nicht jeder Bahnhof barrierefrei ist. Als Rollstuhlfahrer steht man leider immer wieder vor großen Problemen bei Reisen mit der Bahn. Der Start der Bahnfahrt ist oft barrierefrei, am Zielbahnhof steht man aber oft vor dem großen Problem dass es keine Aufzüge gibt sondern nur Treppen, die nicht ohne größere Hilfe überwunden werden können.
In diesem Sinne finden wir die Planungen der SPD zum Umbau des Heessener Bahnhofs sehr begrüßenswert und hoffen dass die Pläne in naher Zukunft umgesetzt werden.
Interview mit Justus Moor, Vorsitzender der Heessener SPD zum Thema

Ein Besuch am Flughafen

emirates-jet-dus-carsten-blog

Am Dienstag dieser Woche verschlug es mich gemeinsam mit 2 Freunden zum Düsseldorfer Flughafen. Das Wetter war gut, wenn auch etwas durchwachsen. Es war nicht zu warm und nicht zu kalt, so dass wir es auf der Besucherterrasse gut aushalten konnten. Es ist immer wieder beeindruckend die Abläufe auf so einem Flughafen zu beobachten, sowohl im Terminalgebäude als auch auf dem Rollfeld. Auch in den gastronomischen Betrieben im Terminal kann man sehr angenehm sitzen und das rege Treiben des Flughafens beobachten – wenn auch der Kaffee bei Starbucks ein wenig teuer ist, aber das weiss man ja. Dafür ist er auch wirklich gut.
Desweiteren fiel mir auf, dass einer meiner Freunde absolut recht hatte als er mir davon berichtete dass dieser Flughafen ein absolutes Vorbild in Sachen Barrierefreiheit ist. Kurze Wege, keine großen Umwege um Aufzüge zu erreichen, sogar der SkyTrain (Hängebahn zum Flughafenbahnhof) ist durch ausgeklappte Rampen perfekt ausgestattet.
So eine vorbildliche Barrierefreiheit würde ich mir auch von anderen großen öffentlichen Gebäuden wünschen.

Stadtwerke Hamm lassen Rollstuhlfahrer am Straßenrand stehen

hako21
Als ich heute um 18:21 mit dem Bus der Linie 1 der Stadtwerke Hamm GmbH von der Haltestelle Beverkramenstraße in die Stadt fahren wollte wurde mir der Einstieg in den Bus verweigert.
Wie immer habe ich den Fahrer freundlich gebeten die Rollstuhlrampe herauszuklappen und mir beim Einstieg behilflich zu sein. Als ich den Fahrer das erste Mal drauf ansprach erfolgte keinerlei Reaktion seinerseits. Zunächst ging ich davon aus dass er sich noch um die anderen hinzugestiegenen Fahrgäste kümmerte und mir im Anschluss behilflich sein würde. Als alle weiteren Fahrgäste hinzugestiegen waren und ihre Fahrkarten vorgezeigt oder beim Fahrer gekauft hatten sprach ich ihn erneut an. Auch diesmal bemerkte ich keinerlei Regung seinerseits. Er schloss die Tür und fuhr los.

Sehr geehrter Herr Hegemann, sehr geehrter Herr Veith,
in Zeiten der Inklusion hat Ihr Unternehmen offenbar noch dringenden Nachholbedarf und ein großes Verbesserungspotenzial. Der oben beschriebene Sachverhalt ist alles andere als inklusiv und meiner Ansicht nach nicht tolerabel. Ihr Mitarbeiter in der Leitstelle, dem ich im Anschluss den Sachverhalt direkt geschildert habe, konnte oder wollte mir jedoch in dieser Sache nicht behilflich sein. Er verwies mich freundlich auf die nächstmögliche Busverbindung. Diese war mir jedoch selbst schon bekannt.Unser Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann betont immer wieder die Bedeutung der Inklusion in unserer Gesellschaft. Als Tochtergesellschaft der Stadt sollte Ihr Unternehmen als Musterbeispiel voran gehen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Ich bitte Sie, diese Missstände dringend zu beseitigen und Ihre Mitarbeiter evtl. entsprechend zu schulen oder andere Maßnahmen zu ergreifen.

Bild: Philippe Harig, City-Verkehr.de

Kraftprobe für die Deutsche Bahn

936389_4908995968541_61543690_n
Wie die meisten meiner Leser ja wissen sitze ich im Rollstuhl und bin auch öfter mal mit der Deutschen Bahn unterwegs. Das bringt gelegentlich gewisse Tücken mit sich.
So auch am gestrigen Tage wieder. Ich hatte einen Termin in Remscheid. Dorthin fuhr ich mit der Bahn, wie ich es eigentlich immer mache wenn ich in eine andere Stadt fahre in der ich einen Termin habe. Leider war diese eigentlich unkomplizierte Fahrt nach Remscheid (1x Umsteigen, Ort des Termins 300m vom Zielbahnhof entfernt sodass auch kein weiterer Bus benötigt wurde – eigentlich kein Problem) dann doch etwas komplizierter als gedacht. Man informierte mich dass es aufgrund von Umbaumaßnahmen derzeit nicht mögliche wäre für mich von Hamm nach Wuppertal zu fahren und ich daher nach Düsseldorf fahren sollte um dort in einen Zug nach Wuppertal umzusteigen. In Wuppertal angekommen nahm ich den Aufzug nach unten um das Gleis zu wechseln auf das Gleis  von dem aus mein Zug nach Remscheid fahren sollte. An diesem Gleis stellte ich allerdings fest dass der Aufzug defekt war. Daraufhin suchte ich einen Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Dieser teilte mir mit es gäbe keine Möglichkeit, der Aufzug sei defekt und ich müsse sehen wie ich das Problem löse. Ich wies ihn darauf hin dass ich die Fahrt über die Mobilitätszentrale angemeldet hatte und auch er von seinem Kollegen aus Düsseldorf darüber informiert worden sei. Auch dieser Einwand brachte letztlich nichts, er war nicht bereit mitzuhelfen da er in Sorge war sich einen Bandscheibenvorfall zuzuziehen. Darauf wurde mein Ton etwas schärfer und ich machte deutlich, dass ich dringend nach Remscheid muss um den Termin wahrzunehmen. Auch danach machte er keinerlei Anstalten das Problem zu lösen. Ich habe ihn im etwas schärferen Ton darauf hingewiesen dass ich den Vorgang so nicht hinnehmen werde und ihn entsprechend öffentlich machen werden, da ein solches Verhalten sicherlich nicht kundenorientiert ist. Ich erwähnte einige frühere (prominente) Kontakte die ich bereits bei vorherigen Problemen mit der Bahn bemüht habe daraufhin schien er etwas irritiert und rief mit Widerwillen einige weitere Bahnmitarbeiter zur Stelle und bat auch umstehende Reisende um Mithilfe. Sie wandten das Prinzip „4 Mann, 4 Ecken“ an und trugen mich samt Rollstuhl die Treppe runter. Nun war es geschafft und der Gleiswechsel war endlich vollzogen (der andere Aufzug funktionierte glücklicherweise). Der eigentlich geplante Anschlusszug war natürlich schon längst weg. Ich wartete also auf den nächsten Zug nach Remscheid. Als dieser eintraf stellte sich heraus, dass er absolut nicht barrierefrei war da er nicht nur Treppen hatte sondern diese auch noch für einen Rollstuhl viel zu schmal waren. Der bereits erwähnte unfreundliche Mitarbeiter (der mit dem schlimmen Rücken) wies mich darauf hin dass er mir nicht in den Zug helfen könne da die Rampe nicht passen würde. Und auch sonst hätte er keine Möglichkeit mir zu helfen (der Rücken…). Aber an diesem Tag sollte doch noch das Glück auf meiner Seite sein. Als ich da so mit dem Mitarbeiter diskutierte hörte ich auf einmal von der Seite einen Ruf. „Hey Carsten, was machst du denn hier?“ hörte ich aus einigen Metern Entfernung. Als ich mich umschaute entdeckte ich einen alten Bekannten. Er ist Lokführer bei der Deutschen Bahn und fuhr heute zufällig genau diesen Zug. Er setzte alles daran mir trotz der schmalen Treppe den Zugang zum Zug zu ermöglichen. Der unfreundliche Mitarbeiter vom Bahnhof guckte nur noch etwas merkwürdig. Vermutlich verstand er aufgrund der Situation nur noch Bahnhof.

Behindertentoiletten oder Inklusion?

Behinderten_WC

In Bezug auf den kürzlich im WA veröffentlichten Artikel über das Fehlen von Behindertentoiletten im Hammer Stadtgebiet möchte ich als Rollstuhlfahrer mal meine Meinung dazu äußern:Das Wort Inklusion fällt in den letzten Jahren immer häufiger. Man liest ständig darüber. Jedem, der sich damit aber einmal auseinandergesetzt hat, dem sollte auffallen dass es dabei eben nicht darum geht besondere Einrichtungen für Behinderte zusätzlich zu den Einrichtungen für „Normale“ zu schaffen sondern der eigentliche Grundsatz darin besteht dass sämtliche Einrichtungen grundlegend so konzipiert werden sollten dass sie auch von Behinderten ganz normal genutzt werden können.
In diesem Sinne würde ich mich freuen wenn man bei zukünftiger Planung grundsätzlich öffentliche Toiletten so konzipiert dass sie im Sinne der Inklusion barrierefrei benutzbar sind ohne dass zusätzliche Behindertentoiletten notwendig sind.
Einige Bahngesellschaften bzw. Fahrzeughersteller machen vor wie es geht. So sind beispielsweise die Züge der Eurobahn die vom Hersteller Stadler in Berlin gebaut wurden grundsätzlich nur mit 2 behindertengerechten Toiletten ausgestattet.
Die kann jeder benutzen, ob behindert oder nicht.